Mit einer „Schleppersternfahrt“ sorgten etwa 2000 Milchviehhalter aus den verschiedenen EU-Ländern mit knapp 1000 Traktoren vor dem EU-Ratsgebäude für Aufsehen.
Rund 300 Allgäuer Bauern des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhhalter (BDM) reisten aufgrund der weiten Anreise zumeist mit dem Bus an. Aber auch ein Allgäuer Geräteträger war anwesend.
Ein besonders beeindruckendes Erlebnis bot der Einzug der Traktoren vor dem Triumphbogen am Brüsseler Jubelplatz. Mit Jubel wurden die großen Zugmaschinen denn auch begrüßt, die zum Teil eine über 800km lange Anreise hinter sich hatten. Mit viel Lärm und Gehupe knatterten die Traktoren um den Platz, über die Parkanlage und die Stufen des Jubelparks hinunter.
Auf einer anschließenden Kundgebung vor dem EU-Ratsgebäude ging es dann verbal zur Sache:
In Kooperation mit dem European Milk Board (EMB) forderten die BDM-Mitglieder eine sofortige, fünfprozentige Mengenaussetzung, eine Aussetzung der Bundessaldierung und langfristig eine flexible Mengensteuerung, um wieder einen Milchpreis zu erzielen, der kostendeckendes Arbeiten ermöglicht.
Es ginge den Bauern und Bäuerinnen nicht um mehr Subventionen. Ihr Produkt Milch solle wieder einen angemessenen Preis erzielen. Der momentane Milchpreis dränge zukünftig z.B. 20-30 Prozent der Allgäuer Milchbauern zur Aufgabe ihres landwirtschaftlichen Betriebes.
Auch eine ständige Vergrößerung der Betriebe führe zu keiner langfristigen Lösung. Dies zeigen die Beispiele vieler Kollegen, die in ihren nun „großen“ Betrieben mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.
Wünschenswert wäre auch mehr Verständnis und Unterstützung des Konsumenten, der an der Ladentheke mitbestimme.
Kaffee und Bananen im fairen Handel zu kaufen sei eine löbliche Entwicklung im Konsumverhalten der Verbraucher, aber auch die heimische Milch und ihre hohe Qualität müsse ihren Preis haben.
Zeitgleich mit der Kundgebung des BDM und des EMB fand am Donnerstag im EU-Ratsgebäude ein Treffen der EU Staats- und Regierungschefs statt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu, das Thema Milch im Rahmen des Kamingesprächs am Abend aufzugreifen. Auch der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker sicherte dem zu.
Bleibt zu hoffen, dass zu Zeiten einer Wirtschaftskrise auch genügend Wert auf die Rettung unserer heimischen Landwirtschaft gelegt wird.
Manch ein Besucher der Demonstration mag sich über die enormen Sicherheitsvorkehrungen der Polizei gewundert haben. Hermetische Straßensperren, gepanzerte Fahrzeuge mit Wasserwerfern und bewaffnete Hundertschaften schüchterten so manchen Demonstranten ein. Der verzweifelten Stimmung und den Ausrufen vieler Anwesender war jedoch zu entnehmen, dass ein Wutausbruch bald das letzte zu ergreifende Mittel der Landwirte sein könnte, was letztendlich solche Sicherheitsvorkehrungen rechtfertigen dürfte.
Auch wenn an diesem Tag zahlreiche TV-Kamera-Teams und Presseleute vor Ort waren, ist fraglich ob die Problematik der Milchviehalter ausführlicher an die Öffentlichkeit gelangen wird.
Bilder und Text: Bruno Maul