Bis Bratislava

14.09.07 – 19.09.07

Vor der österreichischen Grenze legten wir kurz entschlossen noch einen Tag Pause ein, da wir einen tollen Platz am Donauufer von einem jungen Bauern zugewiesen bekamen. Das Wetter verwöhnte uns und so hatten wir mal wieder die Gelegenheit, all unser Graffel inklusive uns, in der Donau zu waschen und das Zelt und die Schlafsäcke zu trocknen und zu lüften.

Die zwei Bauern, denen das Grundstück gehört, waren sehr freundlich und aufgeschlossen und versorgten uns zum Mittag mit frisch gesammelten Pilzen. Gestärkt mit frischer Milch verließen wir am nächsten Tag Deutschland und waren uns einig, dass es sich auch in unserem Heimatland gut reisen lässt!

Durch ein enges Tal schlängelt sich die Donau in vielen Schleifen bis Linz dahin und wir fühlten uns oft wie in einem kitschigen Heimatroman. Es ist landschaftlich wunderschön und ideal mit dem Fahrrad zu erkunden. Dies führt dazu, dass diese Region total auf den Radtourismus ausgerichtet ist und in der Hochsaison wohl völlig überlaufen ist. Momentan ist es angenehm und wir treffen immer wieder die selben Reisebekanntschaften.

Linz erreichen wir am späten Abend in einer wunderbaren Abendstimmung. Gegen Abend haben wir oftmals noch ein Radelhoch und nur die Dunkelheit kann uns bremsen. Diese Motivation ist hingegen am frühen Nachmittag oft am absoluten Tiefpunkt und Zweifel kommen hoch, was wir da eigentlich machen!

Wieder ’mal voller Zweifel plagten wir uns zu dem bekannten Wachau-Ort Dürnstein hoch. Von wegen am Fluss geht’s immer flach dahin! Ich wartete an den Gemäuern der Ruine Dürnstein auf Bruno, der schwitzend und schnaufend die Steigung heraufgestrampelt kam. Als er oben war, befand er sich plötzlich in mitten einer riesigen Schar einer Ami-Touri-Gruppe, die ihn mit den kreischenden Worten aufmunterten: „Oh my god! That looks like work, it doesn´t look like fun!“ Und schon zückten sie alle ihre Kameras und eine rief, sie müsse unbedingt ein Foto machen, weil sie einen Freund hat, der auch radelt. Ahhh ja, sehr interessant! Bruno schnappte nach Luft und zischte zwischendurch „okay, but just one picture“ und quetschte sich dann durch die Menge, wobei er mich völlig genervt anmaulte, wie ich nur so wahnsinnig sein könne, genau hier zu halten!

Nachdem wir diesen „romantischen“ (so heißt es in unserer Karte) Ort verlassen hatten, entschädigte uns die Wachau mit ihren Weinbergen und wirklich romantischen, alten Dörfchen. In dieser Gegend mit dem südlichen Flair kam das Gefühl hoch, dass wir nun wirklich weit weg sind.

Und da wir nun schon mal auf dieser Rentnerradeltour unterwegs sind, taten wir es ihnen gleich und genehmigten uns auf einer Terrasse eines Weinbauern ein Schöpperl Heurigen. Mit beneidendem Blick auf die anderen Gäste, die alle mindestens doppelt so alt waren wie wir, zog Bruno das Resümee aus dem bisherigen Reiseteil, dass das Erste sei, was er daheim mache, eine Rentenversicherung abzuschließen (Viele Grüsse an Rolo ;-) – Versicherungsvertreter werden gebeten, Abstand von Angebotsunterbreitungen zu nehmen!-

Bis Wien staunte Fridolin nicht schlecht über die vielen Namensgebungen, die ihm ständig zugeteilt wurden. Nach der obligatorischen Frage „Is a Weiberl, oda a Manderl“, drückten sie ihre Freude darüber aus, dass das Wufferl, der Fiffi, das Hunderl, der Wautzi, der Waldi, der Lumpi… auch mit darf.

Kaum, dass er den Wagen verlässt und auf eigen Beinen mitrennt, wird ihm Übles unterstellt: „Ah, da’f das Wufferl a Häufer’l moch’n?!“

Klar, - Ein Hund heißt Wufferl und auf allen Vieren gehend fällt ihm ständig ein Häuferl hinten raus!

Leider haben wir nun den deutschsprachigen Raum verlassen und so können wir nur noch die Gesten und frohlockenden Geräusche deuten, die immer ertönen, wenn der Friedl aus seinem Wagen schaut.

Wir sind nun in Bratislava, wo wir für drei Tage den Luxus eines Bettes, einer warmen Dusche und einem Dach über dem Kopf genießen.

Es liegen ziemlich genau die ersten 1000km hinter uns.

Nach dieser Pause wird’s wohl spannend und nichts mehr, wie bisher bekannt. Wir werden euch davon berichten! Viele liebe Grüsse, Bruno & Manu

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