Istanbul

16.11.07 - 21.12.07

Als einzige Stadt auf zwei Kontinenten gelegen, erhebt sich Istanbul an den Ufern des Goldenen Horns und zu beiden Seiten des Bosporus. Der Bosporus trennt Europa und Asien und verbindet das Schwarze Meer mit dem Marmara Meer. Zu Beginn unseres Aufenthalts fanden wir es sehr witzig, wenn man auf die Frage, wohin es heute geht, antwortet "Wir fahren mal schnell nach Asien", aber bald wurde die Schiffahrt über den Bosporus zur Normalität.

Istanbul ist eine riesige Stadt. Die Einwohnerzahl wird zwischen 15 bis 20 Millionen geschätzt. So genau weiss das aber niemand, weil hier sehr viele Menschen leben, die nicht gemeldet sind. Nur mal so zum Vergleich; Berlin hat 3,4 Millionen Einwohner.

Istanbul ist eine Stadt der Kontraste. Tradition und Moderne prallen aufeinander. Dort sind einerseits Türken mit langen Bärten, gehäkelten Käppchen und immer eine Gebetskette in der Hand, oder Türkinnen mit langen schwarzen Kleidern und einem Tuch, das nur die Augen und die Nase freilässt. Andererseits sieht man Türkinnen mit Dreadlocks oder Türkinnen im Minirock, die super gestylt und geschminkt sind.

Das Treiben in den Strassen ist sehr lebendig und laut, wirkt aber nicht hektisch. Überall sieht man Leute, die zusammen Tee trinken und wir werden immer wieder dazu eingeladen, uns dazuzugesellen.

Unser Hostal ist auf dem europäischen Teil in dem beliebten Stadtviertel Taksim. Dieses Viertel ist hauptsächlich bei den Jungen so begehrt, weil eine Bar, Kneipe oder Disco nach der anderen und auf der Strasse immer was los ist. Eine breite Fußgängerzone, die Strasse Istiklal, ist voll von modernen Boutiquen, Geschäften, Restaurants..., aber biegt man in ein Seitengässchen ab, so findet man sich wieder im türkischen Flair. Hier sind die kleinen Läden, die bis zur Decke vollgestopft sind mit Lebensmitteln, und die Cafes`, in denen kein Kaffee sondern nur Tee in den hübschen, kleinen Gläschen serviert wird. Und dann gibt es je nach Stadteil verschiedene Fachgeschäfte. In einem Viertel findet man nur Musikintrumente, im nächsten nur Autoersatzteile, in einem anderen nur Elektronik...

Bruno fühlte sich im Viertel der Musikinstrumente gleich sehr wohl und wurde nach einer Einladung zum Tee in einer Geigenbauerwerkstatt zum Stammgast. Zwei Geigenbauer und eine Geigenbauerin sind dort in unendlicher Ruhe mit dem komplizierten Handwerk des Geigenbaus beschäftigt. Und dass diese Instrumente nicht nur wunderschön ausschauen, sondern auch herrlich klingen, konnte Bruno mit eigenen Ohren hören und auch aufnehmen.

Von Musikern wimmelt es nur so in Istanbul und wir sind begeistert, über die Vielfalt der Musikrichtungen. Unsere Vorurteile über türkische Musik wurden schnell weggefegt und Bruno hatte richtig viel Arbeit mit Aufnahmen. Wenn uns da nicht der laptop einen Strich durch die Rechnung gezogen hätte, denn dieser beschloss eines Morgens, nicht mehr hochzufahren. Die Aufnahmen ruhten und tage- und nächtelang versuchte Bruno mit der immer geduldigen und humorvollen Unterstützung von Krystian (einem polnischen Philosophiestudenten, der auch hier im Hostal wohnt) den laptop davon zu überzeugen, dass sein part der Reise noch nicht beendet ist.

Ich vergnügte mich in der Zwischenzeit mit der Alex, die uns in Istanbul für 11 Tage besuchte und uns mit Laible versorgte. Sehr fasziniert waren wir von den vielen schönen Moscheen und dem Gebetsritual. Wenn der Muezzin vom Minarett zum Gebet ruft, hat das schon eine sehr mystische Stimmung. Es strömen viele Moslems zum Gebet, die Arbeit bleibt liegen und an den Wasserhähnen wird der "Alltagsschmutz" weggewaschen, um sauber und offen fürs Gebet zu sein. Ganz nah aneinandergereiht beten die Moslems in Richtung Mekka und der Hoca betet laut mit kehliger Stimme in arabischer Sprache. Einerseits fasziniert, andererseits innerlich beklemmt fühlten wir uns, denn nur wir als ausländische Frauen durften vorne alles miterleben, während alle muslimische Frauen abgetrennt in einem anderen Raum oder auf den Empore beten.

Die vielen Bazare, auf denen man von der Unterhos´ bis zum Zwergkaninchen einfach alles bekommt, waren für Fridolin immer Dauerstress: Die Marktschreier mit ihren unglaublich lauten Stimmen, die vielen, vielen Füße, die geschäftig ihren Weg gehen, die vielen Hände, die nach ihm täscheln, die kreischenden Frauen, die meterweise hüpfen, wenn sie ihn entdecken, die Spasskanonen, die mit einer Quietscheente plötzlich an seinem Ohr quietschen... Ansonsten geht Fridolin hier in dieser großen Stadt sehr cool seinen Weg und zieht mal wieder, egal wo wir sind, die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Unsere Zeit in Istanbul vergeht wie im Flug und hat uns viele nette Bekanntschaften, interessante und traurige Schicksale und bleibende Eindrücke mit auf unseren weiteren Weg mitgegeben. Nun wollen wir es wiedermal wissen und versuchen erneut unser Glück, übers Meer per Schiff weiterzufahren.

Drückt uns die Daumen!

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