28.05.2008 - 28.06.2008
Nach der grossen Freude ueber die Moeglichkeit, Aegypten ueber den Seeweg zu verlassen, hiess es Abschied nehmen von Ralf und Spitz. Ralf hat es uns ermoeglicht, dass wir nun als richtige backpacker unterwegs sind, denn wir konnten unsere Fahrraeder bei ihm lassen. Wir reduzierten unser Gepaeck auf zwei Seesaecke und marschierten damit zu unserem Schiff namens Boreas of Katharina. Maurizio, der Captain, wurde von anderen Seglern als "wilder Hund" beschrieben, da er einfach immer und ueberall segelt und dabei schon 2 Boote versenkt hat. Wir hielten dies fuer eine masslose Uebertreibung und waren einfach nur froh, mit an Bord zu sein.
Das Boot ist ein 3-Master, 33 Meter lang und eine 5koepfige Crew aus Jemen werkelt darauf herum. Unser Seeweg fuehrte uns zunaechst das Rote Meer hinauf bis zum Suezkanal, diesen entlang bis Port Said und von dort aus uebers Mittelmeer nach Bodrum in der Tuerkei. Schon in der ersten Nacht liess ein Sturm das Boot erschuettern und meinen Magen entleeren. Mir war es so uebel und ich zweifelte, ob ich (Allgaeuer ohne Wasserbeine!) diese Woche auf dem Meer bis in die Tuerkei ueberstehen werde. Die Wellen schlugen 3 bis 4 Meter hoch und das riesige Boot schaukelte darauf herum wie eine Nusschale. Maurizio steuerte eine Bucht zum Ankern an, da er meinte, dass das Boot diesem Sturm nicht standhalten wird... sehr beruhigend! Der Suez Kanal ist die Grenze zwischen dem asiatischen und afrikanischen Kontinent und gleichzeitig die einzige Verbindung vom Mittelmeer zum Roten Meer. Unter Bootsleuten ist der Suez Kanal sehr unbeliebt, da die Behoerden dies ausnutzen und unglaublich abzocken. Von Maurizio wurden 600 Liter Diesel mehr verlangt und ein Agent verlangte fuer die Bearbeitung der Visas 400 Dollar und liess sich dann nie mehr blicken! Das sind die modernen Piraten. Nach erneutem Papierkrieg in Port Said oeffnete sich vor uns die Weite und Stille des Mittelmeeres. Wir schipperten Tag und Nacht dahin und es war herrlich. Ausser Deckschrubben und beim Kochen helfen wurden wir auch in die Schichten mit Steuern eingeteilt. Wenn der Wellengang sehr hoch war und ich so allein am Steuerrad gestanden bin, ist es mir manchmal schon anders geworden, vorallem wenn ich dieses Ungetuem an Segelschiff nicht mehr ruhig bekommen hab. Aber der Captain und die Crew sind sehr, sehr cool und sie vermitttelten einem das Gefuehl, als ob man ein Spielzeugauto auf dem Spielteppich rumlenkt. Nach einer Woche erreichten wir das Trockendock in Bodrum. Das Boot wurde ins Trockene gehieft und nun zeigte sich das ganze Ausmass an Arbeit! Da Maurizio 80% des Jahres auf dem Meer bei Jemen herumsegelt, ist das Boot vom extremen Salzwassergehalt und der heftigen Sonneneinstrahlung sehr mitgenommen. Wir beschlossen 2 Wochen mitanzupacken und die Crew bei der Restaurierung ein bisschen zu unterstuetzen. Die Zusammenarbeit mit den arabischen Burschen trieb uns zwischen Lachanfaellen und absoluter Verzweiflung hin und her. Die arabische Arbeitsmoral ist einfach eine andere und erklaert einiges an den Maengeln des Schiffes. Inzwischen wussten wir unser Glueck zu schaetzen, dass wir heil auf tuerkischem Boden angekommen waren!!!
Nachdem Bruno unzaehlige Meter an Kabeln verlegt, Lampen montiert und Moebel wieder in Schuss gebracht hat, hab ich zunaechst mal mit meinem arabischen Kollegen Nomi Machtkaempfe zwischen arabischen Mann und europaeischer Frau ausgefochten, um dann mit ihm die Kabinen und Baeder zu streichen.
Was fuer eine Freiheit, als wir diesem Bootschaos den Ruecken zudrehen konnten und auf einer Faehre die griechische Insel Kos ansteuerten! Wieder auf europaeischem Boden genossen wir das Inselfeeling und faulenzten 3 Tage an einem einsamen Strand. Von Kos fuhren wir mit einer Faehre aufs griechische Festland und sind seit gestern in Athen.