09.05.2008 - 27.05.2008
Auf einer ausrangierten finnischen Faehre verlassen wir Jordanien und schippern ueber den Golf von Aqaba nach Aegypten. Nach 2 Stunden sind wir am Hafen von Nuweiba im Sinai und sind sehr gespannt, was uns in Aegypten erwarten wird. Wiedermal "planlos" stehen wir in einem fremden Land und machen uns auf die Suche nach einer Landkarte. Nach 20 km finden wir in einem kleinem Geschaeft eine Aegyptenkarte, um darauf festzustellen, dass wir eigentlich in die ganz andere Richtung muessen - tja, das kommt davon, wenn man die Wegweiser in arabischer Schrift nicht entziffern kann. Wir beschliessen ueber den Sinai an den Golf von Suez zu radeln. Was uns unsere Karte nicht verraet ist, dass wir uns diese 200 km durch die furztrockene Wuestengegend auf 2000 Meter hocharbeiten muessen. Die Sonne brennt schon in den fruehen Morgenstunden unbarmherzig vom Himmel. Sparsam teilen wir unsere Wasserreserven ein, die wir bei Beduinen wieder auffrischen. Die Beduinen wirken auf uns sehr relaxt, stolz und freundlich. Diese karge, ruhige und kaum besiedelte Gegend hat sie gepraegt - uns floesst diese Wuestenlandschaft Respekt ein und das Beduerfnis nach einer gruenen und farbenfrohen Landschaft waechst stetig. Da wir keinen Schatten mehr finden, radeln wir die naechsten Tage von den fruehen Morgenstunden bis in die Daemmerung, um dann unter freiem Himmel zu schlafen. Die Ansprueche sinken auf Null! 10 km vor dem Katharinenkloster laesst uns der Anblick der folgenden Situation innehalten: Aus einem Bus stroemen sehr knapp bekleidete Touristen, die mit toller Foto- und Filmkamera ausgeruestet sind, um in einem Restaurant ihre mitgebrachten Lunchpakete zu verspeisen. Beduinenkinder schleichen bettelnd um die Tische und die Touristen, peinlich beruehrt von dieser augenscheinlichen Armut, werfen den Kindern wortlos die Reste ihres Lunchpaketes zu, als waeren diese streunende Hunde. Die Kinder fangen die Reste auf, lassen sie schnell verschwinden und werden immer wieder vom Restaurantbesitzer verscheucht. Wir sind schockiert ueber die Auswirkung vom Tourismus, der zwei Welten aufeinanderprallen laesst und dadurch den Stolz der Einzelnen vernichtet. Wir verzichten auf den Besuch des Katharinenklosters. Wieviel mehr an Eindruecken haben wir erhalten, als wir in einem Beduinenzelt sassen, den Respekt und Stolz der Leute erlebten und versuchten, uns mit Haenden und Fuessen zu unterhalten. Das Katharinenkloster und den Mosesberg hinter uns lassend, geht es ab nun stetig bergab und so flitzen wir durch die Oase Feiran zum Golf von Suez. Die letzten Kilometer bis zur naechstgroesseren Ortschaft nehmen uns 2 junge Aegypter auf ihrem Pickup mit und bewahren uns damit vor einem Wuestenkoller und Hitzeschlag! Voellig geplaettet erreichen wir den Busbahnhof und als wir im Bus nach Hurghada sitzen, wird uns bewusst: wir haben den Kontinent Asien verlassen - wir sind nun in Afrika! An einem Montagmorgen um 5 Uhr koennen wir unseren Freund Ralf in die Arme schliessen und werden vom aufgeregten Spitz in Hurghada begruesst. Wir koennen bei Ralf in der schoenen Wohnung den ganzen Luxus der Zivilisation geniessen: Kueche, fliessend Wasser, Klo, sogar deutsches Fernsehen... Da Ralf hier als Tauchlehrer arbeitet, koennen wir unter seiner professionellen Anleitung in die wunderschoene, farbenfrohe Unterwasserwelt eintauchen. Es ist herrlich! Wir koennen bei Ralf alle Reserven wieder auftanken und beginnen neue Plaene ueber unsere Heimreise zu schmieden. Da wir fuer das Nachbarland Lybien kein Visa bekommen werden, bleibt nur der Weg uebers Mittelmeer Richtung Europa, d.h. diesmal MUSS unsere Suche nach einem Schiff erfolgreich sein! Nur als kleine Erinnerung: seit dem Schwarzen Meer suchen wir nach einem Schiff. Dies liegt nun ueber 3000 geradelte Kilometer zurueck. 2 Wochen lang gehen wir nun jeden zweiten Tag an den Segelhafen und fragen nach Mitsegelgelegenheiten nach Europa. Nicht gerade sehr aufbauend ist die Aussage: wiedermal falscher Ort - falsche Zeit! Wir koennen es nicht mehr hoeren!!! Die Segelsaison fuer das Rote Meer sei schon fast beendet.
Nach viel Hadern, stundenlangen Rumstoebern im Internet und der standigen Besuche an verschiedenen Haefen hatschten wir ohne grosse Hoffnung wiedermal an die Marina in Hurghada und treffen den Italiener Francesco, der seit 8 Jahren auf seinem Boot lebt. Er erzaehlt uns von einem Boot, das die Tage von Jemen kommt und ihn als Mechaniker mit in die Tuerkei nimmt. Er wird ein gutes Wort fuer uns einlegen, dass wir als Crew mitkoennen. Tja, das haben wir schon so oft gehoert...
Haltet euch fest - gestern abend kam der Anruf: wir sind als Crew mit von der Partie!!!