07.03.08 - 01.04.08
Bis auf einen "kleinen aber feinen" Verkehrsunfall im verschneiten Allgaeu war meine (Bruno's) Rückreise in die Türkei, im Vergleich zur Heimreise, das reinste Kinderspiel. Alles lief wie am Schnürchen: erfolgreiche Verfolgungsjagd vom Flughafen dem knapp verpassten Bus hinterher (herzlichen Dank nochmal an Muharam & erkek kardes!), schnelle Busfahrt bis genau vor die Pensionstür in Tasucu, Freude über das Wiedersehen mit dem dort aufbewahrten Fahrrad und Gepaeck und noch viel groessere Freude über das Wiedersehen mit Manu nach der Schiffsfahrt nach Girne in Nordzypern.
Entspannt, die Sonne geniessend, radelten wir auf Zypern von Nord nach Süd, um in Limassol unser Glück am Jachthafen zu versuchen.
Wiedermal bekamen wir das übliche zu hoeren: falscher Ort, falsche Zeit, um ein Segelschiff nach Osten zu finden. Immerhin erfuhren wir, dass das, was wir suchen, im Seglerjargon einen "Lift" genannt wird und, dass wir dafür nach Larnaka sollten. Die Kreuzfahrschiffe von Limassol nach Aegypten fahren auch erst Ende April und nehmen dann aller Voraussicht nach keine on-way-Passagiere mit. Diesen Abend zelteten wir am Meer, tranken ein Bierchen auf den 30. Geburtstag unserer lieben Freundin Toni und wurden uns bewusst, dass uns nur 24-Stunden Schiffsfahrt von Aegypten trennen, dem Land, in dem unser Freund Ralf jetzt hoffentlich noch laenger auf uns wartet. Denn auch in Larnaka am Jachthafen fanden wir nur Wochenendsegler. Immerhin wurde unser Abenteuerdrang von einem ehemaligen backpacker und seinen Seglerfreunden anerkennend belohnt, denn sie luden uns zu einer Meze (gegrillte Fischspezialitaeten) und reichlich zypriotischen Rotwein in den Marine-Club ein.
Mit der Auskunft von Famagusta gaebe es sicher eine Faehre nach Syrien und von dort aus dann weiter nach Aegypten, radelten wir eine weitere Tagesetappe (schon wieder zurück ins türkische Nordzypern!). Da diese Faehrverbindung von zuvielen illegalen Einwanderen aus den arabischen Laendern nach Europa genutzt wurde, ist diese vor einigen Monaten gecancelt worden. Wir wunderten uns schon gar nicht mehr, dass wir wieder mal zum naechsten Hafen geschickt wurden. Diesmal war es der Hafen in Mersin auf dem türkischen Festland - unsere letzte Moeglichkeit von Zypern ohne Flug wegzukommen. Also 12 Stunden Schiffsfahrt von Famagusta nach Mersin, um zu hoeren, dass auch dort alle Verbindungen über den Seeweg nach Syrien gestrichen wurden!
Also hiess es wieder einmal neue Plaene schmieden. Das Meer will uns nicht tragen, so müssen wir wohl ein "Mehr" an Kilometern auf den Fahrraedern ertragen! Wir beschlossen Syrien auf dem Landweg zu erradeln. Und wiedermal wurde uns ein Prügel in die Speichen geschmissen: ein Visum für Syrien erhalten wir ohne festen Wohnsitz in der Türkei nur in Berlin oder Hamburg.... haha, sehr witzig! Wir fuhren mit dem Bus nach Ankara und liefen von einer Behoerde zur anderen. Hartnaeckigkeit zahlt sich manchmal aus und so schunden wir eine Sondergenehmigung bei der deutschen Botschaft in Ankara heraus. Diese stellte uns ein Empfehlungsschreiben aus, dass uns die Türen der syrischen Botschaft oeffnete. Nun hiess es warten und bangen, ob das alles so klappt, wie sich das unsere Sturkoepfe so vorstellen.
In dieser riesigen Stadt waren wir bei zwei jungen türkischen Studenten untergekommen, die wir über die Internetseite couchsurfer.com kennengelernt hatten. So waren wir mitten drin im Geschehen und irgendwann voellig geplaettet von den vielen Stadteindrücken.
Um die Wartezeit auf die Visa zu nutzen, fuhren wir mit dem Zug nach Zonguldak an das Schwarze Meer. Von dort wollten wir bis Amasra radeln - das sind ca. 100 km. Am Bahnhof wurden wir umringt von Neugierigen und als wir erzaehlten, was wir vorhaben, meinten sie alle wild durcheinander schreiend, das sei voellig unmoeglich, diese Steigungen, die unglaublich lange Strecke...!!! Wir lachten nur und meinten, wir sind von Deutschland mit dem Radel hierher gekommen, das war auch machbar. Jaja, das geht schon, das ist ja auch kein Problem, aber bis Amasara... unmoeglich!!! Auf diese Logik treffen wir immer wieder und wir koennten uns jedes Mal wieder schlapp lachen.
Landschaftlich war dieser Kurztrip am Schwarzen Meer sehr beeindruckend und wir hatten oft das Gefühl, wir radeln durch das Westallgaeu. Im Gegensatz zu der Mittelmeerküste ist hier alles grün, grosse Laubwaelder und da direkt an der Küste Kohle abgebaut wird, ist das schwarze Meer teilweise wirklich schwarz. Eisige Kaelte und Regen liess uns aber an unserem letzten Tag mal wieder spüren, was wir in diesem Winter so durchgemacht haben und diesmal streikten wir, als es in Amasra hiess, hier gibt's keine Busse, ihr müsst halt wieder zurückradeln. So fuhren wir per Anhalter (mit all unserem Graffel ein schwieriges aber erfolgreiches Unterfangen!) in die naechst groessere Stadt und von dort mit dem Bus zurück nach Ankara.
Gestern war es dann soweit: Wir bekamen unser syrisches Visum ausgehaendigt und nun kann uns hoffentlich nichts mehr stoppen! Syrien, wir kommen...!